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KENYA

Kenya, Northern Highlights  (Oktober 2010)

Schon sind es 6 Jahre her, seit wir entschieden haben, uns - neben den Ländern im Südlichen Afrika - auch mit Tanzania zu befassen. Ein Entscheid, den wir keine Sekunde bereut haben, denn viele unserer Stammkunden konnten sich zwischenzeitlich von den Schönheiten dieses Landes überzeugen. Zeit also, um aus unserer Sicht Neuland zu betreten: Kenya!

Wohl kein Land auf dem afrikanischen Kontinent ist so stark mit Vorurteilen wie „Massentourismus“, und/oder „Billigtourismus“ behaftet. Eine Einschätzung, die auch heute noch teilweise zutreffen mag; Kenya hat aber zwischenzeitlich - ähnlich wie Tanzania - den Spagat zwischen Billig- und etwas teurerem Qualitätstourismus ohne Zweifel vollzogen. Ich konnte mich auf der nachfolgend beschriebenen Reise täglich davon überzeugen.

Im Airbus von Swiss gehen die 8 Stunden Tagesflug von Zürich nach Nairobi schnell vorbei und nach der Landung in der Hauptstadt Kenyas kann ich von Glück sprechen, bereits als vierte Person vor dem Einreiseschalter mit Visumspflicht anstehen zu können. Es dauert keine 15 Minuten, bis ich mein Touristenvisum im Pass trage (verbunden mit einigen mehr oder weniger sinnvollen Fragen des Einreisebeamten und Fingerabdrücken beider Hände). Jambo Kenya!  Die erste Nacht verbringe ich im Hotel House of Waine, welches im nobleren Aussenviertel von Karen (benannt nach Karen Blixen) liegt. Ein grosser Garten samt Schwimmbad steht zur Verfügung und mein Zimmer mit Namen „Victoria“ hat noch die sprichwörtlich alte Badewanne mit Füssen, welche inmitten des Badezimmers thront.

Meine Reiseroute führt mich (fast) nicht entlang der ausgetretenen Touristenpfade, ich konzentriere mich hauptsächlich auf den Nordosten des Landes, also weit weg von der Maasai Mara, dem Amboseli Nationalpark oder dem Tsavo Nationalpark. Mein erster Etappenort ist der Meru Nationalpark, welchen ich nach knapp 2 Stunden Reisezeit mit Airkenya erreiche. Eine wilde, karge Schönheit auf 870 km2 Grösse mit Grassavannen, Busch- und Galeriewäldern, Sumpfgebieten und Flusslandschaften. Und was am Schönsten ist: Nur eine einzige Lodge, die „Elsa’s Kopje“! Erinnern Sie sich an das Buch „Die Löwin Elsa“ bzw. den Film „Born free“? Hier bin ich und die Legende dieser einsamen Löwin mit ihrem Ziehvater George Adamson ist in der wunderschön gelegenen Lodge allgegenwärtig.

Schon am nächsten Tag geht die Reise - diesmal auf dem Landweg - weiter in Richtung Westen; die Lewa Downs sind mein nächstes Ziel. Die Strasse ist immerwieder gesäumt von kleinen Dörfern mit Strassenhändlern, Tieren aller Art, plärrenden Radios und winkenden Menschen; ein farbiges, lebendiges Bild! Ohne es zu merken steige ich von knapp 700 m ü. Meer (Meru Nationalpark) auf knapp 1'900 m ü. Meer (Lewa Downs); erst beim klassischen Sundowner macht sich die kühle Abendluft bemerkbar. Ein Höhepunkt dieser privaten Conservancy sind bestimmt die äusserst seltenen Grevy-Zebras und das Rhino-Sanctuary mit 67 Black Rhinos (Spitzmaulnashorn) und 46 White Rhions (Breitmaulnashorn).

Haben Sie auch schon vom Shaba Nationalpark gelesen oder gehört? Mein nächstes Etappenziel und wiederum ein Transfer auf dem Landweg. Die Tatsache, dass die Distanz vom Parkeingang bis zum Joy’s Camp zwar nur 28 km beträgt, dafür aber fast anderthalb Stunden in Anspruch nimmt, sagt einiges über den Zustand der Wege, Pfade und Pisten aus! Dafür übernachte ich wiederum im einzigen Camp inmitten dieses 239 km2 grossen Parks, welcher gegen 700 m ü. Meer liegt . Den Namen trägt der Park von den Shaba Hills, welche mit einer Höhe von rund 1'620 m ü.Meer die Nordgrenze bilden. Eine wunderbare Landschaft, welche mich vergessen lässt, dass die Tierbeobachtungen besser hätten sein können. Aber man ist verwöhnt und wer freut sich schon noch an ein paar majestätischen Giraffen…  (der Verfasser dieses Artikels empfiehlt keine Nachahmung dieser Haltung!).

Der nächste Tag führt im Geländefahrzeug über Archers Post westwärts in den Samburu Nationalpark (165 km2), welcher durch den Ewaso Ngiro Fluss vom Buffalo Springs Nationalpark „194 km2) getrennt wird. Hier lässt sich ein Vorgeschmack von Massentourismus nicht verhindern; mehrere Kleinbusse mit offenem Dach machen sich zwischen den echten Geländefahrzeugen bemerkbar. Dafür werde ich hier mit ausgezeichneten Wildbeobachtungen belohnt (u.a. 6 Löwen, 1 Leopard, grosse Elefantenherde mit Jungen, ein Somali-Straussenpaar und Streifenhyänen), und das alles innert 60 Minuten. Was ein Fluss nicht alles ausmacht! Meine Unterkunft, das höchst komfortable Saruni Samburu Camp liegt im privaten Kalama Konzessionsgebiet (95'000 ha) auf einem Hügelzug mit fantastischer Aussicht in die Ebenen von Samburu und die angrenzenden Hügel. Da lässt es sich vereinbaren, eine Safari auszulassen und dafür mit einem Feldstecher bestückt die Umgebung zu erkunden.

Das Kitich Camp bei der Mathews Mountain Range ist mein nächstes Ziel. Ein toller Flug zwischen Berggipfeln und Höhenzügen bringt mich auf eine Buschpiste inmitten eines Tales, welches auf gut 1'500 m ü. Meer liegt. Die nachfolgende Fahrt im Geländewagen bringt mit in 45 Minuten „über Stock und Stein“ zum Ende eines Talkessels und hier – inmitten eines üppigen Regenwaldes – liegt das Kitich Camp. Mein erster Gedanke: „Hmm, was habe ich hier eigentlich zu suchen“ relativiert sich erst am nächsten Morgen. Nun kann ich dieses charmante, äusserst gepflegte Bush Camp mit nur 6 grossen Safarizelten auch schätzen. Die Aktivitäten in diesem Camp beschränken sich ausschliesslich auf Bush- und Forest-Walks, welche zwischen einer und fünf Stunden dauern können; selbstverständlich immer in Begleitung von erfahrenen (bewaffneten) Guides und Trackern aus den Stämmen der Samburus und der Ndorobos. Mit etwas Glück können Büffel, Elefanten und Buschböcke gesichtet werden, wunderschöne Schmetterlinge sind allgegenwärtig. Ein kühles Bad in einem Rock-Pool lässt die Strapazen einer mehrstündigen Buschwanderung in diesem feuchten Gebiet vergessen.

Was für einen Gegensatz finde ich am nächsten Tag in der Gegend von Northern Laikipia, im privaten Konzessionsgebiet von Loisaba vor. Die gleichnamige Lodge liegt inmitten eines gepflegten Gartens, alle Zimmer verfügen über eine grosse Holzveranda mit Sicht auf die endlosen Loisaba-Plains, Elektrizität über 24 Stunden und - ach, wie schade - sogar ein Internet-Anschluss ist vorhanden. Eine Attraktion dieser Lodge sind auch die beiden Star Bed-Camps Kiboko und Koija, welche einige Kilometer von der Hauptlodge entfernt liegen. Hier kann man die Nacht unter freiem Himmel verbringen, geschützt mit einem Moskitonetz. Zu den weiteren Aktivitäten gehören Pirschfahrten im offenen Geländefahrzeug, Reiten, Wandern und Kanufahrten auf dem Ewaso Ngiro River.

Den würdigen Abschluss dieser speziellen Reise finde ich an meinem letzten Etappenziel, der Ol Pejeta Conservancy, welche mit einer Fläche von 45'000 (!) ha manchen gestandenen Nationalpark in den Schatten stellt. Auch die Tierwelt ist höchst vielfältig, so fahre ich u.a. bei einer über 200 Köpfe zählenden Büffelherde vorbei, beobachte aus nächster Nähe ein Hyänenrudel mit Jungtieren (welche sich ihre Zähne an den Reifen unseres Safarifahrzeuges zu verbeissen versuchen..), entdecke einen jungen Geparden im hohen Gras und bewundere ein Somali-Straussenpaar. Ein Besuch des Schimpansen Sanctuarys - verdankenswerterweise initiiert von Jane Goodall - stimmt mich eher traurig, denn all die Tiere zeigen ein irgendwie traumatisches Benehmen; kein Wunder, wenn man erfährt, aus welchen beklagenswerten Umständen diese Tiere gerettet wurden um hier ein sicheres Leben führen zu dürfen. Als Gast im Ol Pejeta Bush Camp hat man jedoch das Privileg einer „back of House“-Besichtigung (jedoch nur nach Voranmeldung)! Aber nicht nur „wilde“ Tiere sind hier zu beobachten, man erfährt auch viel Interessantes über die Interaktion zwischen „Cattle and Game“, denn auf Ol Pejeta befinden sich auch Viehfarmen. Auch für die Besteigung des Mount Kenya eignet sich der Aufenthalt im gleichnamigen Ol Pejeta Bush Camp bestens; mehrtägige Bergtouren werden angeboten. Das Bush Camp wird vom Eigentümer-Ehepaar persönlich geführt und das Versprechen „we care“ ist keine lose Formulierung!

Der Flug am nächsten Morgen vom Airstrip in Nanyuki nach Nairobi dauert wiederum fast zwei Stunden, sind doch - irgendwie als Auffrischung meiner Erinnerungen - wieder je eine Zwischenlandung im Samburu- und Meru Nationalpark eingeschlossen. Um die verbleibenden Stunden in Nairobi um die Ohren zu schlagen (meine Maschine verlässt die Hauptstadt um 23.30 Uhr) geniesse ich ein Tageszimmer im Palacina, welches in einem ruhigen Residenzviertel von Nairobi liegt. Ein letzter Gin & Tonic als Sundowner, eine abenteuerliche Fahrt durch Nairobi zum Flughafen (weshalb gibt es denn eigentlich Rotlichter, wenn sich keiner darum kümmert.. ) und das war’s dann wieder.

(Hanspeter Zeier)
  House of Waine, Nairobi

Ausblick von Elsa’s Kopje

Lewa Safari Camp

Joy’s Camp

Joy’s Camp

Saruni Samburu Camp

Ausblick vom Saruni Samburu Camp

Kitich Camp 

Forest Walk Kitich Camp 

Loisaba Star Beds 

Loisaba Lodge mit Blick auf Mount Kenya 

Kanusafari in Loisaba 

Ol Pejeta Bush Camp 

Ol Pejeta Bush Camp